
Jenseits der Witterung
kindheit
und die zeit danach
dieses funktionieren müssen
jenseits der witterung
der anderen
gehört sie nicht dazu
alkohol markenkleidung fehlanzeige
als mädchen oder junge
weder das eine noch das andere
es eckt an
genderfluid
identität folgt
gefühl und situation
durchlebt sie
umbrüche abbrüche
arbeitet mit jungen menschen
wählt die theologie
das pastorinnenamt
praktiziert nächstenliebe empathie
getragen vom glauben
gott
die schöpferin des lebens
liebt dich weil du bist
nicht weil du etwas tust
hier ist sie gewollt
befreit
kann nicht tiefer
fallen als
in gottes hand
queer and church
das will sie leben
mit anderen teilen
schafft raum
für geborgenheit
es komme ein friede
in den wir eingehen werden
voller erwartung

Der Sternforscher
aufwachen
der tag beginnt
neugier
auf
das was
in der luft
liegt
das was
fern von ihr
das grenzenlose dunkel des weltraums
erfüllt von trilliarden
sternen planeten
galaxien
sichtbar und verborgen
vordringen in die kosmische bildwildnis
sie lockt ihn erfüllt ihn
er beobachtet misst vergleicht
publiziert diskutiert reist
eingesponnen
in das netz der forschenden
der ordnung des kosmos nachspürend
wo wir stehen wer wir sind
die uralten fragen
begleiter auf den routen
interplanetarer erkundung
stellen sich neu
drängen ihn
nach sich selbst zu fragen
fortbestand
unserer erde –
blau schimmernd im all
die zukunft
prophezeite der vater
läge dort oben ohnehin
möge
sie ihm wie uns allen gnädig sein
nachhall –
inmitten der sterne
ein asteroid
mit seinem namen

In den Armen
zwanzig jahre bald
multiple sklerose – geißel seines lebens
ertragen erduldet
sieht er die augen geschlossen
sich als jungen mann
gesund
mit haaren in pink
dagegen –
wie’s damals auf seiner mütze stand
alles bloß nicht glatt geleckt
enfant terrible
seit der zeit
als seine band
hasi bandito hieß
dieses leise grinsen
ist ihm geblieben
von anderen abgescannt
damals der hübsche junge unangepasst
heute mann im rollstuhl
bewegungsstarr
im ironischen abstand zu den anderen
bedrückend
dieses leise sprechen
die angst
nicht verstanden zu werden
wo er so gerne im austausch ist
so schreibt er texte
blick auf die geschicke unserer zeit
wörter sätze wandern aufs papier
durch ohren und hände
seiner frau
früher
als kind im goldenen käfig
tanzte sie davon
hinein in ihr eigenes leben
lehrerin
begeistert ambitioniert
heute schmiegt sie sich an
an ihn
beide in den armen
halten sie sich
tragen krankheit und sorge
im sonnenstrahl